Gewerbesteuer: Ärzten droht keine Pleitewelle

Fr. 01.08.2003

Gewerbesteuer: Ärzten droht keine Pleitewelle
Kaum Mehrbelastung für Freiberufler selbst in Gemeinden mit hohen Hebesätzen / GmbH-Gründung als Lösung?

HANNOVER. Die Panik vieler Ärzte und anderer Freiberufler, bald Gewerbesteuer zahlen zu müssen, ist nach Ansicht von Luis Fernando Ureta und Franz Josef Schmidt von der auf Ärzte spezialisierten Metax-Steuerberatung nicht begründet. Auch von einer bevorstehenden Pleitewelle könne keine Rede sein.

Von Luis Fernando Ureta und Franz Josef Schmidt

Geht man vom augenblicklichen Gesetzesstand aus, dürfte die Mehrbelastung eines Freiberuflers selbst in Gemeinden mit relativ hohen Hebesätzen überschaubar bleiben. Dies kann an einem vereinfachten Beispiel verdeutlicht werden: Ein kirchensteuerpflichtiger verheirateter Arzt ohne Kinder, der über ein zu versteuerndes Einkommen von 100 000 Euro verfügt, hat beim Spitzensteuersatz eine Steuerbelastung von etwa 33 070 Euro.

Wenn dieser Arzt in einer Gemeinde mit einem Hebesatz von 380 Prozent Gewerbesteuer zahlen müßte, würde seine Steuerbelastung inklusive Gewerbesteuer sich auf 33 220 Euro belaufen. Bei einem hohen Gewerbesteuermeßbetrag von 460 Prozent würde sich die Steuerbelastung auf 35 330 Euro belaufen, insgesamt also eine Mehrbelastung 2250 Euro.
Ärzte als Geschäftsführer - dann fiele nur wenig Steuer an

Erstaunlicherweise wird die Diskussion um die Gewerbesteuerreform nicht als Argument für die dringend gebotene Zulassung von Arzt-GmbHs genutzt. Dort könnten sich Ärzte als Geschäftsführer anstellen lassen. Wenn das Geschäfsführer-Gehalt entsprechend hoch ausfiele, bliebe kaum noch GmbH-Gewinn, auf dessen Grundlage die Gewerbesteuer berechnet werden könnte. Andere Freiberufler dürfen dieses Modell bereits nutzen. Das ist ein Argument mehr (neben den Haftungsrisiken der Gemeinschaftspraxis), auch Ärzten endlich diese Rechtsform zu gestatten.

In ihrer jetzigen Form ist die Gewerbesteuer ein anachronistisches Modell, welches mit unverhältnismäßig hohem Verwaltungsaufwand die Gemeindefinanzierung sicherstellen soll. Ihre Abschaffung ist steuerpolitisch wünschenswert. Sinnvoll wäre beispielsweise ein Gemeindezuschlag auf die Einkommenssteuer. Davon unabhängig sind jedoch die finanziellen Auswirkungen einer Ausweitung der Gewerbesteuer auf die Freiberufler zu beurteilen.
Gewerbesteuer erfüllt kaum noch den ursprünglichen Zweck

Im Zusammenhang mit der jetzt aufgekommenen Diskussion ist zunächst klarzustellen, daß die Gewerbesteuer ursprünglich von den Gemeinden als Ausgleich für die zur Verfügungstellung ihrer Infrastruktur erhoben wurde.

Im Laufe der Jahre mutierte die Gewerbesteuer immer mehr zu einer allgemeinen Gemeindesteuer für Gewerbetreibende. Zu diesen Gewerbetreibenden gehören jedoch nicht nur Unternehmen, die die Infrastruktur der Gemeinde stark beanspruchen, sondern sämtliche Dienstleister - bisher mit Ausnahme der Freiberufler.

Gründe, weshalb jedoch Freiberufler an dieser Stelle anders behandelt werden sollten als beispielsweise Buchhändler, Versicherungsmakler oder Reisebüro, sind nicht mehr ersichtlich. Sie profitieren alle in ähnlicher Weise von den Leistungen der Gemeinde.

Rechtsanwalt Luis Fernando Ureta ist Geschäftsführer der auf Ärzte spezialisierten Metax Steuerberatungsgesellschaft mbH. Steuerberater Franz Josef Schmidt ist Systempartner der Metax.

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